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BCK MEDIENMITTEILLUNG:  Defacto Schliessung von Musik-Clubs und Musik-Bars durch den Bund, wie weiter?

BCK MEDIENMITTEILLUNG: Defacto Schliessung von Musik-Clubs und Musik-Bars durch den Bund, wie weiter?

Die Bar & Club Kommission hat Verständnis dafür, dass der Bund und die Kantone aufgrund der steigenden Covid-19 Ansteckungszahlen reagieren müssen. Da es zur Natur der Sache gehört, dass es in Clubs zu engen Kontakten kommt, sind die durch den Bund verkündeten weiteren Einschränkungen auch für uns nachvollziehbar. Das Problem ist dabei, dass man auf eine klare Ansage verzichtet. Clubs und Musikbars dürfen zwar weiterhin geöffnet sein, doch da die Balance zwischen Covid-19 Schutzmassnahmen und Wirtschaftlichkeit für die grosse Mehrheit der Nachtkulturunternehmen nicht mehr gegeben ist, handelt es sich defacto um eine amtlich verordnete Schliessung.

Die grössten Einschränkungen ergeben sich dabei aus der sitzenden Konsumation und der Personenbeschränkung von 100 Personen pro autonomen Sektor/Raum. In vielen Betrieben lässt sich dies räumlich nicht oder nur mit sehr grossem Aufwand umsetzen. Durch die sitzende Konsumation lässt sich nur ein Bruchteil des normalen Gastronomie-Umsatzes, der normalweise 70% bis 100% der Kosten deckt, erzielen. Hinzu kommen die Mehrkosten beim Personal, schon alleine die Durchsetzung der Maskentragpflicht ist gemäss einer Umfrage bei den BCK Mitgliedern mit einem Mehraufwand von bis zu 300 Stellenprozent verbunden. Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Aufwand mit der Konsumations-Sitzpflicht nochmals erhöht. Die wachsende Verunsicherung ist auch bei den Besucherzahlen spürbar, zwischen 25% und 75% weniger Gäste besuchten die Clubs am letzten Wochenende. 

Die schon schwierige Situation in welcher sich die Nachtkulturunternehmen im Kanton Zürich befanden, verschlechtert sich kontinuierlich, denn nur bei einer amtlich verordneten Schliessung ist ein Härtefall gegeben. Nur dann lassen sich Verhandlungen mit Vermieter über eine Mietzinsreduktionen führen. Wir hoffen, dass es der Bund nun nicht versäumt hat, mit den Kantonen auch über die Unterstützung dieser Branche zu sprechen! Eine solche ist wichtiger denn je, nur so können Konkurse von an sich gesunden Unternehmen verhindert und somit Arbeitsplätze gesichert werden. Ein wichtiges Element für die Musik-Clubs stellt dabei die Entschädigung für Kulturunternehmen dar, diese muss nun dringend mit zusätzlichen Mitteln alimentiert werden, damit auch wie vorgesehen 80% des Schadens und nicht nur 50% wie bis her, ausbezahlt werden kann. Da nur ein Teil der von den Massnahmen des Bundes betroffenen Unternehmen Kultur-Entschädigungsberechtigt sind, braucht es für diese ein Härtefall-Lösung. Genauso wichtig ist eine nationale Lösung was den Mietzins für Geschäftsräumlichkeiten in Zusammenhang mit Covid-19 Schutzmassnahmen betrifft, welche nicht nur für die Zeit während des Lockdowns gilt, sondern auch die Phase in welchen die Wirtschaftlichkeit infolge Covid-19 Schutzmassnahmen eingeschränkt ist, antizipiert. Um den Gastronomiebetrieben die Umstellung auf sitzende Konsumation zu erleichtern, braucht es dringend die nötigen politischen Rahmenbedingungen, damit Aussenplätze unbürokratisch provisorisch winterfest gemacht werden können.

Die Erfahrung mit Covid-19 zeigt, dass es um den Nachtkultur-Unternehmen eine Perspektive zu bieten, neben der wirtschaftlichen Unterstützung auch eine Zusammenarbeit mit den Behörden und der Forschung (wie dies z.B. in Deutschland geschieht) braucht. Eine nächste Exitstrategie muss auf einer gemeinsamen rollenden Planung basieren, um zu verhindern, dass die Türen der Bars und Clubs, nicht immer wieder auf und zu gehen. Leider gibt es weiterhin weder mit der Forschung noch auf der Ebene des Bundes oder dem Kanton eine wirkliche Zusammenarbeit.

Die epidemiologische Lage ist ernst, deshalb bitten wir unsere Gäste die SwissCovid-App nicht nur herunterzuladen, sondern auch zu aktivieren und sich an die Regeln des Bundes zu halten. Jetzt sind wir alle gefragt, wenn es darum geht einen zweiten Lockdown, für andere Branchen zu verhindern.

Medienmitteilung vom 20.10.2020